Faktorverfahren erklärt — Die ausgewogene Methode
Wie das Faktorverfahren funktioniert, wann es sinnvoll ist und wie Sie damit ein ausgewogenes Steuersystem für Ihr Ehepaar schaffen.
Mehr lesenErklärung der beiden gängigsten Steuerklassenkombinationen für verheiratete Paare und wie Sie herausfinden, welche zu Ihrer Situation passt.
Die Wahl zwischen Steuerklasse III/V und IV/IV ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die verheiratete Paare treffen können. Sie bestimmt nicht nur, wie viel Lohnsteuer monatlich abgezogen wird, sondern beeinflusst auch die Berechnung von Elterngeld, Krankengeld und Arbeitslosengeld.
Viele Paare wählen ihre Steuerklasse einmal und ändern sie dann jahrelang nicht — dabei könnte eine andere Kombination mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Das Problem? Die meisten verstehen den Unterschied gar nicht wirklich. Wir erklären es hier einfach und konkret.
Es ist eigentlich ganz einfach: Bei der Steuerklassenwahl geht es darum, wer von euch beiden mehr verdient und wie stark die Unterschiede sind.
Asymmetrische Aufteilung
Symmetrische Aufteilung
Die Wahl ist nicht einfach eine Frage des Geschmacks. Sie hängt von eurem Einkommensverhältnis ab — und davon, was euch im Alltag am wichtigsten ist.
Ein Partner verdient 4.500 Euro brutto, der andere 2.200 Euro. Hier ist III/V meist die bessere Wahl. Der höher verdienende Partner in Klasse III zahlt deutlich weniger Lohnsteuer, während der Partner in Klasse V nur auf das kleinere Einkommen hohe Steuersätze zahlt. Im Ergebnis bleibt dem Paar mehr Netto übrig.
Beide verdienen zwischen 3.000 und 3.500 Euro brutto. IV/IV ist hier sinnvoller. Ihr zahlt fairerweise ähnliche Steuersätze und könnt euch Steuererklärungen sparen. Das ist besonders praktisch, wenn sich die Einkommen ohnehin regelmäßig ändern.
Es gibt auch noch eine dritte Option: das Faktorverfahren. Das funktioniert so — beide Partner wählen Klasse IV, aber es wird ein individueller Faktor berechnet und angewendet. Dieser Faktor berücksichtigt genau euer Einkommensverhältnis.
Das Ergebnis? Ihr zahlt ähnlich wenig Lohnsteuer wie bei III/V, habt aber die Einfachheit von IV/IV. Die monatliche Nachzahlung am Jahresende fällt deutlich kleiner aus. Viele Paare mit größerem Einkommensunterschied wechseln zu diesem Verfahren, wenn sie es entdecken. Ihr müsst das Faktorverfahren bei eurem Finanzamt beantragen — es ist nicht automatisch.
Die Steuerklasse beeinflusst nicht nur euer Netto-Gehalt. Sie hat auch Auswirkungen auf staatliche Leistungen.
Das Elterngeld wird basierend auf eurem durchschnittlichen Netto-Einkommen der letzten 12 Monate berechnet. Bei Steuerklasse III/V bekommen Sie mit Klasse V ein niedrigeres Netto, was zu weniger Elterngeld führt — das kann eine Differenz von mehreren hundert Euro monatlich sein.
Ähnlich wie beim Elterngeld: Krankengeld wird vom Netto-Einkommen berechnet. Wer in Klasse V ist und krank wird, erhält weniger Krankengeld als jemand mit Klasse IV. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele übersehen.
Arbeitslosengeld I basiert ebenfalls auf dem durchschnittlichen Netto-Einkommen. Die Steuerklasse V kann hier zu deutlichen Nachteilen führen, wenn die arbeitslose Person in dieser Klasse war.
Hier ist ein praktisches Vorgehen: Zunächst rechnen Sie aus, wie viel Steuern Sie bei beiden Optionen zahlen würden. Das macht Ihr Finanzamt oder ein Steuerberater gerne — kostenlos beim Finanzamt. Wichtig ist, auch die Auswirkungen auf Elterngeld und Krankengeld einzukalkulieren, wenn diese für euch relevant sind.
“Die richtige Steuerklassenkombination ist nicht in Stein gemeißelt. Ihr könnt jederzeit wechseln — aber es lohnt sich, das einmal gründlich durchzudenken statt es dem Zufall zu überlassen.”
Zusammengefasst: Steuerklasse III/V spart bei großen Einkommensunterschieden Steuern, aber mit Nachteilen beim Elterngeld und Krankengeld. IV/IV ist einfacher und fairer, wenn die Einkommen ähnlich sind. Das Faktorverfahren bietet das Beste aus beiden Welten — aber nur wenn die Einkommensunterschiede groß genug sind.
Der Wechsel kostet nichts und ist schnell gemacht. Viele Paare sparen mehrere hundert Euro im Jahr, nur weil sie die Steuerklasse optimieren. Es lohnt sich also, diese Entscheidung nicht zu ignorieren.
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich zu Bildungszwecken und sind keine Steuerberatung. Jede Situation ist unterschiedlich, und die beste Steuerklassenwahl hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Wir empfehlen Ihnen, mit einem Steuerberater oder Ihrem Finanzamt zu sprechen, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Besonders wenn Kinder geplant sind, Selbstständigkeit im Raum steht oder Besonderheiten vorliegen, sollte professioneller Rat eingeholt werden.